Sanierung der Stadthalle Braunschweig
Die Braunschweiger Stadthalle wird nicht abgerissen, sie wird verwandelt. Bis 2028 soll das denkmalgeschützte Ensemble aus den 1960er Jahren im Stil des Brutalismus nicht nur äußerlich zu alter, besser gesagt: erneuerter Form zurückfinden. Auch technisch und energetisch wird es auf ein zeitgemäßes Niveau gehoben. Damit wächst inmitten der Stadt ein seltenes Beispiel gelungener Verbindung aus architektonischem Erbe und nachhaltiger Zukunftsvision heran.

Seit vergangenem Jahr herrscht emsiger Baustellenbetrieb. Wer an der Stadthalle vorbeigeht, sieht Absperrungen, Gerüste und Container. Dahinter verbirgt sich ein filigranes Unterfangen: Die markante Waschbetonfassade, die das Gesicht der Halle seit ihrer Eröffnung 1965 prägt, wird Stück für Stück demontiert, gereinigt, saniert und wieder angebracht. Keine einfache Übung – weder logistisch noch handwerklich.

Geleitet wird das Projekt von der Struktur-Förderung Braunschweig GmbH. Die Geschäftsführerin des Hochbaubereichs, Natascha Wessling, spricht von einem „3D-Puzzle mit vielen Unbekannten“. Tatsächlich ähnelt die Maßnahme einem chirurgischen Eingriff. Rund 20 der großformatigen Betonplatten sollen täglich abgenommen werden – jeweils nach aufwendiger Entfernung der schadstoffbelasteten PCB-Fugen. Dabei zählt Präzision: Jede Platte wird nummeriert, gelagert und später an exakt derselben Stelle wieder montiert.
Doch bevor es ans Zurückbringen geht, wartet die Restaurierung. Unterhalb des Parkdecks wurde dafür eigens eine temporäre Werkstatt eingerichtet – eine sogenannte Feldfabrik. Dort rücken Spezialisten den Platten mit Wasserdruck, Pigmenten und handwerklicher Raffinesse zu Leibe. Ziel ist nicht ein makelloses, sondern ein denkmalgerechtes Erscheinungsbild. Wie bei der Retusche eines alten Freskos soll der Charakter erhalten bleiben, mit allen Narben und Patina-Spuren der Jahrzehnte.

Eine besondere Herausforderung dabei: Die Kieselsteine, die in der Waschbetonmischung verwendet wurden, sind farblich und strukturell charakteristisch. Zwei dominierende Farbtöne – Hellgrau und Ocker – müssen wiedergefunden werden. Die Recherche nach passenden Ersatzkieseln gestaltete sich daher aufwendiger als so mancher erwartet hätte. Fündig wurde man schließlich bei einem Material, das dem historischen Frechener Quarz erstaunlich nahekommt.

Die Sanierung ist nicht nur ein ästhetisches, sondern auch ein energetisches Projekt. Hinter den entfernten Fassadenteilen eröffnet sich die Möglichkeit, Dämmung und Technik auf den Stand des 21. Jahrhunderts zu bringen. Was einst ungedämmt war, bekommt nun eine Hülle, die künftigen Anforderungen an Energieeffizienz gerecht wird. Ergänzt wird dies durch Maßnahmen wie Geothermie, moderne Klimatechnik und Photovoltaik.
Die Vision: eine Stadthalle, die ihrem Namen wieder alle Ehre macht. Ein Haus, das Kultur und Kongresse beherbergt, aber zugleich selbst Zeugnis ablegt – davon, wie man bestehende Architektur nicht ersetzt, sondern weiterdenkt. Wenn 2028 die Tore wieder aufgehen, wird man es sehen: Braunschweig hat nicht einfach ein Gebäude modernisiert, sondern ein Stück Stadtgeschichte neu geschrieben.

