AGC nimmt neue Linie für FINEO Vakuumisolierglas in Betrieb
Im vergangenen Jahr kündigte AGC Glass Europe eine neue Produktionslinie an. Nun hat einer der führenden Glasproduzenten Europas dieses Versprechen eingelöst und am Standort Lodelinsart die neue Anlage für das Vakuumisolierglas (VIG) FINEO by AGC in Betrieb genommen. Die Produktionskapazität vervierfacht sich, die Lieferzeiten halbieren sich auf zwei Wochen, der Ug-Wert liegt bei bis zu 0,44 W/m2K, AGC setzt damit ein klares Signal: FINEO ist bereit für den gesamten europäischen Gebäudemarkt.
In Lodelinsart ist eine der modernsten hochautomatisierten Fertigungsanlagen für Vakuumisolierglas weltweit entstanden. Stefan Lips, Sales Director Europe für FINEO, erklärt, die Anlage sei exemplarisch für eine neue Generation der industriellen Glasproduktion. Man habe 2019 mit einer Pilotlinie begonnen, sozusagen Generation 1.0, stehe heute bei FINEO 3.0 und habe bereits FINEO 5.0 in der Planung. Er fügt hinzu, man stehe noch am Anfang einer Revolution und freue sich sehr, diese Innovation in der Welt der Verglasung mitzuerleben.

Ziel der industriellen Erweiterung von FINEO sind wettbewerbsfähigere Preise und ein breiteres Produktportfolio: mehr Solarbeschichtungen sowie neue Varianten für alle Segmente von der Restaurierung bis zum Neubau. Die verfügbaren Glasformate reichen von 0,01 Quadratmetern bis zu 1.600 x 3.000 Millimetern. Die neue Linie integriert modernste Technologien und Funktionen. Ein wesentlicher Fortschritt liegt in der Evakuierung bei niedrigeren Temperaturen. Dadurch wurde der Produktionszyklus von zwanzig auf fünfzehn Stunden reduziert, mit der Perspektive, zehn Stunden zu erreichen. In der Folge wird die Produktionskapazität entsprechend steigen.
Aufbau und Fertigungsprinzip nach dem Motto Less is more.
FINEO ist eine neue Generation von Isolierglas mit einem nur 0,1 Millimeter dünnen Vakuumraum zwischen zwei Scheiben. Anders als bei anderen Vakuumgläsern gibt es keine Evakuierungsöffnung, was zu geringerer visueller Beeinträchtigung führt. Während des Evakuierungsprozesses wird der Glasrand hermetisch verschmolzen, um dauerhaft hohe Dämmwerte ohne Wartung, eine hohe Tageslichttransmission und den schlanken Charakter von Fassaden sicherzustellen. Dieses Vakuumglas bietet eine Wärmedämmung auf dem Niveau moderner Dreifachverglasung und ist zugleich nur ein Viertel so dick und etwa halb so schwer. FINEO ermöglicht zudem eine deutliche Reduzierung der Dicke neuer Rahmen und Fenster und senkt damit den Rohstoffbedarf erheblich. Jerome Goubau, FINEO General Manager, betont, diese Eigenschaften reduzierten den CO2-Ausstoß sowohl in der Produktion als auch im Betrieb.

Der Herstellungsprozess kehrt den Aufbau konventioneller Isolierverglasung um. Im Reinraum wird das sogenannte Motherboard, eine große Platte von 1.605 x 2.500 Millimetern, in die benötigten Scheibenabschnitte unterteilt, vollständig evakuiert und versiegelt. Da kein Ventil in das Glas integriert ist, steht die gesamte Fläche zur Verfügung. Erst danach wird das Glas zugeschnitten.
Ein weiterer Unterschied: Konventionelles Isolierglas besteht aus Glas, Aluminium, Butyl und Polysulfid. FINEO besteht vollständig aus keramischen Materialien, ist zu 100 Prozent recycelbar und kreislauffähig. Alle Bestandteile können in den Glasofen zurückgeführt werden.
FINEO: die Premium-Antwort auf einen wachsenden Markt
Angesichts der klimatischen und wirtschaftlichen Herausforderungen sowie mit Blick auf den Nutzerkomfort besteht kein Zweifel daran, dass Europas umfangreicher Gebäudebestand seine verglasten Flächen sanieren muss. Viele dieser Gebäude sind schlecht gedämmt, und die Nachrüstung mit dickerem Isolierglas ist oft nur schwer möglich. Konventionelles Mehrscheiben-Isolierglas stößt dabei schnell an Grenzen: Profile sind häufig zu schlank, und Tragfähigkeit sowie Gewicht werden problematisch. FINEO Vakuumglas erreicht die thermische Leistung von Dreifachverglasung bei deutlich reduzierter Dicke und geringerem Gewicht und bietet damit eine präzise Antwort auf diese Anforderungen.
Stefan Lips, Sales Director Europe bei FINEO by AGC, erklärt, dank seiner schlanken Randversiegelung und der Vielseitigkeit in der Formgebung sei FINEO die ideale Lösung für den Scheibentausch bei der Restaurierung und Renovierung historischer Fenster. Darüber hinaus eröffne die fortschrittliche Vakuumverglasungstechnologie eine klare Marktchance im Neubau. Aufgrund seiner nachgewiesenen Vorteile gewinnt Vakuumisolierglas kontinuierlich Marktanteile gegenüber konventionellen Isolierglaslösungen.
Europas grünster VIG-Hersteller
Energielabels werden strenger, und Kreislaufwirtschaft sowie Langlebigkeit rücken in den Mittelpunkt von Ausschreibungen und Planungsentscheidungen. Eine Analyse dieses Markttrends hat das FINEO-Management dazu veranlasst, die Marke als die grünste unter den Isolierglaslösungen zu positionieren. FINEO ist das einzige Vakuumisolierglas, das in Europa produziert wird. Mit einer eigenen Beschichtungsanlage vor Ort können zudem Spezialprodukte wie FINEO Solar Control, FINEO Acoustic sowie brandschutzgeprüfte Varianten in Kombination mit Pyrobel hergestellt werden, was dünnere Brandschutzlösungen als bisher ermöglicht. Die Floatglasproduktion in Moustier liegt in unmittelbarer Nähe, sodass AGC das Floatglas herstellt, vor Ort beschichtet und ohne lange Transportwege zu FINEO Vakuumglas verarbeitet. FINEO profitiert außerdem vom Engagement von AGC, den ökologischen Fußabdruck des Produkts weiter zu reduzieren – durch den zunehmenden Einsatz von Glasscherben als Recyclingrohstoff, die Elektrifizierung der Produktion und einen steigenden Anteil erneuerbarer Energie.

Der Anspruch von FINEO, im Bereich Nachhaltigkeit voranzugehen, zeigt sich in den jüngst erhaltenen Zertifizierungen. FINEO ist das erste Vakuumisolierglas mit einer extern verifizierten Umweltproduktdeklaration (EPD) durch INIES und erreicht in der Low-Carbon-Variante einen außergewöhnlich niedrigen Wert von 18,9 kg CO2-Äquivalent pro Quadratmeter. FINEO ist zudem das einzige Produkt, das eine EPD der Nationale Milieu Database (NMD) erhalten hat, die in der niederländischen Bauindustrie stark nachgefragt wird. Langzeittests bestätigen darüber hinaus eine thermische und akustische Leistungsfähigkeit von mehr als sechzig Jahren. Operations Manager Jean-Charles Dumont sagt, das Ende der Lebensdauer der heutigen Scheiben werde er nicht mehr erleben. Hätte Ludwig XIV. FINEO für Versailles zur Verfügung gehabt, hätte das Glas heute noch seinen ursprünglichen Dämmwert.

FINEO war weltweit der erste VIG-Hersteller mit CE-Kennzeichnung (ETA 20/0048) und hat alle relevanten lokalen Zulassungen: aBG des DIBt in Deutschland, Avis Technique (CSTB) in Frankreich, BCRG in den Niederlanden und ATG in Belgien. Clément Lemoine, Head of Product & Marketing, erklärt, kein anderer Anbieter könne das von sich behaupten. Aber eines müsse man bedenken: Ein Zertifikat sei kein Prüfbericht. Entscheidend sei, ob ein Produkt zuverlässig und im industriellen Maßstab geliefert werden könne – FINEO könne das. Für Planer und Architekten bedeutet dies höhere Planungssicherheit, vereinfachte Nachweisführung und schnellere Genehmigungsprozesse.
Mit der neuen Linie ist FINEO zudem für alle Kunden zugänglich, ohne Mindestmengen oder Exklusivitätshürden. Das Produktspektrum umfasst jetzt freie Formen und ist für alle gängigen Rahmentypen geeignet. Über die Produktion hinaus positioniert sich FINEO als führende Informations- und Serviceplattform für die gesamte Wertschöpfungskette: von Installateuren und Händlern bis zu Architekten und Gebäudeeigentümern. Digitale Tools wie der FINEO Configurator unterstützen bereits heute bei Planung und Auslegung. Lips betont, das sei kein Zukunftsversprechen, sondern bereits gelebte Praxis. AGC rede nicht von einer Expansion, AGC führe sie durch.
Weitere Informationen unter www.agc-glass.eu (Unternehmenswebsite),
www.agc-yourglass.com (Glas für den Bausektor) und www.agc-automotive.com
(für die Automobilindustrie).

